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Dieser Beitrag wendet sich an Schmuckfreunde ohne professionelle Fotografiekenntnisse, die sich mit dem Fotografieren von Schmuck befassen - beispielsweise Personen die - ihre Schmuckstücke per Bild und Beschreibung dokumentieren möchten, - Schmuck auf Internet- Plattformen, wie Tradoria, Kelkoo oder Shopping-Com präsentieren, - ihre Kreationen in Galerien und Foren, wie Entdecke-Schmuck, zeigen möchten, - auf Online-Marktplätzen, wie Ebay, aktiv sind oder - in einem Onlineshop ihre Schmuck- Kollektion anbieten. Oft muss auf die Dienste von Profi- Fotografen verzichtet werden, weil sich der finanzielle Aufwand nicht rechnet bzw. unangemessen erscheint.
Grundsätzlich nimmt der Betrachter Schmuckpräsentationen als etwas Strahlendes, Glitzerndes, Glänzendes, Schönes und Wertvolles wahr. Und diese Ausstrahlung sollte eine Fotografie auch widerspiegeln, indem sie ein Schmuckstück plastisch und möglichst real zeigen sollte. Dabei ist es oft nicht einfach, u. a. den Schiller von Schmucksteinen richtig zu erfassen, z. B. bei Mondstein und Labradorit. Wir haben beispielsweise immer noch Schwierigkeiten bei der Fotografie von Asterismus und Chatoyance, z. B. bei Mondstein, Rosenquarz, Rubin, Saphir oder Blackstar. Im Sonnenlicht und Punktlicht zeigt sich z. B. ein mehrstrahliger feiner Stern, der je nach Beobachtungswinkel über den Stein wandert. Der Stern ist in natura stark ausgeprägt, aber auf den Fotos sieht man den Stern leider nur sehr schwach. Dieser schöne Reflex ist aufgrund der Lichtempfindlichkeit der Kameralinse nur schwer zu fotografieren.
Edelsteinketten und Edelstein- Armbänder sind leichter zu fotografieren. Bei facettierten Edelsteinen muss man allerdings darauf achten, dass der Facettenschliff bzw. die Brillanz voll zur Geltung kommt. Bei Ohrsteckern, Ohrhängern und auch Ringen ist oft die Positionierung für die Aufnahme nicht ganz einfach. Ringe kann man z.B. mittels spezieller Stein-Knetmasse fixieren.
Wir fotografieren im Wesentlichen Silberschmuck, in Sterlingsilber 925, mit verschiedensten Edelsteinen, wie Bergkristall, Granat, Amethyst, Labradorit, Onyx, Mondstein, Aquamarin, Lapislazuli, Rosenquarz, Peridot bis hin zu den hochwertigeren Edelsteinen wie Saphir, Rubin, Smaragd und Aquamarin. Eine Herausforderung bei der Silberfotografie – weniger bei der Goldfotografie - ist die polierte Oberfläche der Schmuckstücke, in der sich oft hässliche Spiegelungen zeigen können. Dazu mehr weiter unten…
Über mich
Seit Einführung meines Onlineshops im Jahre 1999 mit Edelsteinen besetztem Silberschmuck aus Sterling- Silber 925 (Ringe, Halsschmuck, Ohrschmuck, Colliers, Armschmuck, Silberketten) und Edelsteinketten, Edelsteinsträngen und Schmuckzubehör ist es für mich eine absolut reizvolle Aufgabe die präsentierten Schmuckstücke selber zu fotografieren. Ich glaubte am Anfang auf fundierte Erfahrungen in der Landschafts- und Personenfotografie zurückgreifen zu können, die ich seit meiner Jugend sammeln konnte. Aber schnell wurde mit bewusst, dass ich dieses Wissen für die Schmuckfotografie nur sehr eingeschränkt nutzen konnte. Demzufolge habe ich meine Kenntnisse durch das Studium von Fachliteratur, Teilnahme an Fotografie- Kursen und darüber hinaus vor allem durch viele Hunderte, ja Tausende Aufnahmen mit Digitalkameras weiterentwickelt. Apropos Digitalkamera - für meine unzähligen Versuche in der Schmuckfotografie hat diese glücklicherweise dazu beigetragen, dass keine unbezahlbaren Kosten entstanden sind. Inzwischen erstelle ich – wie ich meine – ganz ansehnliche Fotos, die wohl noch nicht die Qualität von Aufnahmen professioneller Fotografen erreichen, dafür aber oft besser meine persönliche Note dem interessierten Schmuckliebhaber vermitteln.
Ich möchte im Folgenden versuchen, einige Erfahrungen und Erkenntnisse in der Schmuckfotografie an den interessierten Leser weiterzugeben.
Fotoausrüstung
Ich benutze z. Z. folgende relativ preisgünstige Fotoausrüstung:
Kamera: Art: Digitalkamera, keine Spiegelreflex- Digitalkamera. Fabrikat: Panasonic Typ: Lumix DMC-FZ20 Auflösung: 5 Megapixel
Nahlinse: Hama + 4
Stativ
Das Licht
Die wichtigste Voraussetzung für gute Fotos ist die richtige Ausleuchtung der Objekte, für hohe Farbtreue, Vermeidung störender Schattenbildung und Minimierung ungewollter Reflektionen. Dieses wird erreicht durch intensives, aber diffuses Licht. Lampen oder Strahler sollten nie direkt auf das Schmuckstück gerichtet werden, weil dies zu starken, unansehnlichen Reflektionen, insbesondere auf polierten Flächen (Silber, Gold, Schmucksteine und Edelsteine), zu signifikanten Farbverfälschungen und harter Schattenbildung führt. Das abgenommene Bild wirkt oft unnatürlich und lässt oft nichts von der Schönheit des Schmuckstückes erahnen.
Diffuses Licht erzeugen
Ich habe mir eine Fotokammer bauen lassen, in der ich bei intensivem, aber diffusem Licht fotografieren kann. Die nach vorn offene Kammer hat eine Breite von 80 cm, eine Tiefe von 1,60 m und eine Höhe von 2 m. Oben wurden auf beiden Seiten je 2 Leuchtstoffröhren (35 Watt) mit einer Länge von 1,50 m eingebaut. Dabei ist sichergestellt, dass das Licht nicht direkt auf die 80 cm hohe Arbeitsfläche fällt, sondern nur indirekt über die mattweiß tapezierte Kammerdecke und -Wände.
Farbtemperatur der Beleuchtung
Eine wichtige Voraussetzung für eine farbgetreue Schmuck- Fotografie ist der Weißabgleich in der Kamera. Dabei ist es am Einfachsten, die entsprechende Einstellung der Digitalkamera auf „Automatik“ einzustellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Farbtemperatur der Beleuchtung in der Fotokammer der des natürlichen Sonnenlichtes angepasst sein sollte. Damit können Farbstiche bei den Aufnahmen weitgehend vermieden werden. Aus diesem Grunde werden in der Fotokammer spezielle Tageslicht-Leuchtstoffröhren mit einer Farbtemperatur zwischen 5000 - 6000 Kelvin verwendet.
Blitzlicht
Auf die Verwendung des Blitzlichtes verzichte ich. Schmuckstücke haben ja meistens die Eigenschaft hochglänzend und damit spiegelnd zu sein. Die entsprechenden Lichtreflexe und die harte Schattenbildung lassen die Schmuck-Bilder oft unansehnlich und unnatürlich erscheinen.
Spiegelungen
Trotz bester Beleuchtungstechnik kommt es bei hochglänzenden Schmuckstücken zu Spiegelungen – das können schöne, aber auch unschöne Einspiegelungen sein. Unschöne Einspiegelungen kann man minimieren mit einem geeigneten Hintergrund, durch eine geänderte Positionierung des Objekts, Änderung des Winkels der Kamera zum Objekt oder wenn man beispielsweise versucht einen hässlichen Reflex auszuschalten indem man ein weißes Blatt Papier in einem angemessenen Abstand zum Objekt anordnet. Vielfach lassen sich jedoch unschöne Einspiegelungen nur mit einem Bildbearbeitungsprogramm entfernen. Wichtig: Das Retuschieren sollte auf ein Minimum reduziert werden. Aus einem schlechten Schmuck-Foto kann durch Retuschieren keine gute Aufnahme entstehen!
Zoom/Makroaufnahmen
Ich versuche grundsätzlich das Schmuckstück und das umgebende Arrangement möglichst nah heranzuzoomen bzw. per Makrofotografie aufzunehmen, um eine hohe Auflösung beim Bearbeiten und Ausschneiden des Opjektes in meinem Bildbearbeitungsprogramm sicherzustellen. Aus diesem Grunde verwende ich bei kleinen Schmuckstücken, wie Ringe, Anhänger, Ohrstecker, Ohrhänger, Edelsteine, oft eine Nahlinse. Gerade bei Makroaufnahmen ist es natürlich ganz wichtig, dass durch die nah positionierte Kamera kein Schatten auf das Objekt fällt oder sich die Kamera im Schmuckstück spiegelt. Der Zwang zu einer diesbezüglichen Nachbearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm sollte vermieden werden.
Aufnahmeformat der Kamera
Ich rate alle Schmuckbilder im RAW-, TIF- oder JPG- Format mit höchster Auflösung aufzunehmen und nach der Bildbearbeitung ein verlustfreies Format (RAW, TIF) bzw. das interne Format des Bildbearbeitungprogramms (bei Photoshop ist dies das PSD-Format) zu verwenden. Qualitätsverluste durch starke Komprimierung sollte man vermeiden.
Stativ
Die Verwendung eines Stativs ist unbedingt erforderlich. Unscharfe Bilder (das gilt nicht unbedingt für den Hintergrund) lassen das Schmuckstück wenig attraktiv erscheinen.
Freistellen von Schmuckstücken
Bildbearbeitungsprogramme bieten die Möglichkeit ein Schmuckstück freizustellen, z. B. mit dem Lassowerkzeug oder dem magischen Radiergummi. Damit dies einwandfrei funktioniert, sollte man einen eindeutigen Farbunterschied zwischen dem Objekt und dem Hintergrund sicherstellen, d. h. das Schmuckstück sollte auf einem Hintergrund fotografiert werden, dessen Farbe in dem Objekt nicht vorkommt. Leider funktioniert dies nicht bei hochglänzenden Schmuckstücken (z. B. Silberschmuck und Goldschmuck), weil sich der Hintergrund in dem Objekt teilweise spiegelt und sich damit ein eindeutiger Farbunterschied zwischen dem Schmuckstück und Hintergrund nicht an allen Stellen erreichen lässt.
Bildbearbeitung
Ich verwende das weltweit meistbenutzte Bildbearbeitungsprogramm Photoshop der Version 7. Diese relativ alte Programm- Version ist vollkommen ausreichend für eine gute Bildnachbearbeitung. Das Pogramm bietet eine Vielzahl nützlicher Funktionen und es lässt sich nach einer Einarbeitungszeit einfach handhaben. Gerade für Photoshop sind sehr gute Fachbücher erhältlich und an vielen Volkshochschulen werden umfassende und preisgünstige Kurse angeboten. Für Interessierte mit Photoshop- Kenntnissen möchte ich im Folgenden meine grundsätzliche Vorgehensweise bei der Bildbearbeitung schildern, die ich bei den meisten Schmuck-Bildern für meinem Webshop anwende:
Übernahme der Bilder Übernahme der Bilder meiner Digitalkamera, Selektion der Aufnahmen, die zur Nachbearbeitung bestimmt sind und Speicherung dieser Bilddateien im Verzeichnis „Bilder_Originale“.
Autokontrast Optimierung des Bildes mit der Funktion „Bild > Einstellungen > Auto-Kontrast“ (bzw. Umsch+Strg+L). Es kommt vor, dass in einigen Fällen nicht das gewünschte positive Ergebnis erzielt wird, d.h. das Bild nicht an Brillanz gewinnt und daher ggf. Kontrast und Helligkeit manuell eingestellt werden müssen.
Tonwertkorrektur von Photoshop Häufig kommt es vor, dass der weiße Hintergrund, auf dem ein Schmuckstück fotografiert wurde, grau erscheint. In diesen Fällen wende ich dann oft (zunächst immer versuchsweise) die Tonwertkorrektur von Photoshop an und zwar wie folgt: - Werkzeug aufrufen: Bild > Einstellungen > Tonwertkorrektur oder Strg+L. - Klick auf „Weißpunkt setzen“ (Icon mit Pipette, ganz rechts unten). - Der Cursor nimmt die Form einer Pipette an, die ich an einer Stelle positioniere, die eigentlich weiß anstatt grau erscheinen sollte. - Nach einem Klick werden nun graue Bereiche weißer dargestellt und das ganze Bild aufgehellt. In vielen Fällen erscheint nun die Aufnahme wesentlich brillanter.
Kleine Retuschierungen Falls erforderlich werden nun, u. a. mit dem Kopierstempel, unansehnliche Störungen und unschöne Spiegelungen entfernt. Dieses erfolgt bei einsprechender Bildvergrößerung (Strg > +).
Sättigung Bei einigen Schmuck-Bildern ist die Erhöhung der Sättigung sinnvoll, um die Farben intensiver zu zeigen (Strg+U). Eine Intensivierung der Sättigung sollte man aber in sehr geringem Umfang nutzen, weil das Bild andernfalls evtl. wenig authentisch wirken könnte. Die nachbearbeiteten Bilder erhalten einen speziellen Dateinamen und werden im Verzeichnis „Bilder_Originale_Bearbeitet“ gespeichert.
Bildausschnitt In vielen Fällen wird das eigentliche Objekt nicht in voller Bildgröße fotografiert und muss deswegen ausgeschnitten werden, was mit dem Freistellungswerkzeug erfolgt. Die Bildgröße wird bei uns in der Regel wie folgt eingestellt: Breite 350 Pixel, Höhe 280 Pixel, Auflösung 72 Pixel/Inch. Diese Auflösung ist für Bilder, die für das Internet bestimmt sind, optimal. Nach Erzeugung des Bildausschnitts wird mit dem Werkzeug „Scharfzeichnen“ (Filter > Scharfzeichnungsfilter > Scharfzeichen) dessen Bildqualität verbessert.
Speicherung der Bilddatei Die Speicherung des Bildausschnitts wird mit der Tastenkombination Umsch+Strg+Alt+S eingeleitet und nach dem Setzen einiger Parameter abgeschlossen: Bildformat JPG, GIF oder PNG (Bei Schmuckbildern ist das in der Regel JPG). Qualität: 30 (= Mittel) Die Speicherung erfolgt in dem Verzeichnis „Bilder_Internet“.
Anmerkung: Das Dateiformat GIF verwendet man bei Grafiken mit transparenten Bereichen und einem begrenzten Farbumfang. Das Dateiformat PGN verwendet man bei Bildern mit transparenten Bereichen und Darstellung des vollen Farbumfanges. Es vereinigt in gewisser Weise die Vorteile des GIF- und JPG- Formats.
Thumbnail- (Vorschau-) Bilder Wenn man in der oben beschriebenen Weise eine Vielzahl von Bildern für das Internet erstellt hat, lohnt es sich, bei der Erzeugung der zugehörigen Vorschaubilder eine sehr komfortable Funktion von Photoshop zu nutzen und zwar die „Stapelverarbeitung“ (Datei > Automatisieren > Stapelverarbeitung). Dabei werden bei jedem Bild automatisch vorher definierte Aktionen ausgeführt. In unserem Fall sind dieses: Bildgröße auf 100 x 80 Pixel reduzieren, Scharfzeichen und Speicherung in dem Verzeichnis „Vorschaubilder_Internet.“
Zusammenfassung
Die obige Beschreibung über Erfahrungen und die praktische Anwendung der Schmuckfotografie in unserem Hause soll einige hilfreiche Tipps vermitteln und kann selbstverständlich Profiwissen und das Detailwissen diesbezüglicher Fachbücher nicht ersetzen. Falls Sie uns als Leser dieses Beitrages einige Tipps und eigene Erfahrungen mitteilen möchten, sind wir für jede Email dankbar.
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